Bei Schnee scheint jeder Hektar gleich: Tatsächlich ist ein Hektar in Bauernhand für eine Gesellschaft ungleich wertvoller als 10.000 Quadratmeter KapitalanlageDer Bauernbund Brandenburg hat die Absicht des EU-Agrarkommissars Christophe Hansen gelobt, die dem australischen Finanzkonzern Igneo zugehörige Deutsche Agrarholding mit rund 20.000 Hektar in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern künftig von der Förderung mit EU-Mitteln auszuschließen. „Statt immer wieder nur über die Bedrohung angeblich gewachsener ostdeutscher Strukturen durch Kappung und Degression zu lamentieren, sollte die Landesregierung Hansens Aussage jetzt zum Ausgangspunkt einer konstruktiven Diskussion über eine agrarstrukturell sinnvolle Verteilung der Direktzahlungen machen“, sagte Bauernbund-Vorstand Hans-Jürgen Paulsen. Die Agrarstruktur in den ostdeutschen Bundesländern sei nach wie vor unbefriedigend, kritisiert der 61jährige Milchviehhalter aus Zollchow in der Uckermark: „Zu wenig Selbständige, zu wenig Privatinitative, zu wenig Wertschöpfung – und ein Großbetrieb nach dem anderen wird an überregionale Investoren verkauft.“ Der Agrarkommissar sollte daher beim Wort genommen und zügig eine Regelung ausgehandelt werden, nach der die Direktzahlungen nur noch an ortsansässige Landwirte gehen. Bei dieser Gelegenheit könnten auch die von der Kommission vorgelegten, bisher sehr kleinteiligen Kappungsvorschläge soweit nach oben korrigiert werden, dass sie die leistungsfähigen bäuerlichen Familienbetriebe Brandenburgs nicht mehr benachteiligen.
Die ostdeutschen Großbetriebe seien keineswegs historisch gewachsen, sondern im Sozialismus durch Zwang geschaffen und nach der Wende durch Fehlentscheidungen konserviert worden, merkt der Bauernbund an. Nötig sei keine Grundsatzdebatte über Groß oder Klein, aber eine begründete Richtung sollte in der Agrarpolitik schon zu erkennen sein. Paulsen: „Brandenburgs Höfe gehören in die Hand von brandenburgischen Bauern. Dass der Ausverkauf unserer Landwirtschaft an überregionale Investoren vom Staat bis zum letzten Hektar durchsubventioniert wird, muss jedenfalls ein Ende haben.“