Bestes Weidefutter vom Moorgrünland: Jungvieh und Trockensteher auf dem Betrieb Paulsen in ZollchowDer Bauernbund Brandenburg hat Landwirte und Landeigentümer vor der im April von der Bundesregierung verabschiedeten Förderrichtlinie zur Wiedervernässung von Moorböden gewarnt. „Die mit diesem 1,7 Milliarden Euro schweren Programm geplante Unbrauchbarmachung von wertvollem Moorgrünland hat nichts mit Klimaschutz zu tun, sondern dient in erster Linie dem Zweck, die Rinderhaltung in Deutschland zurückzudrängen und Platz zu schaffen für Steaks aus dem brasilianischen Regenwald“, sagte Bauernbund-Vorstand Hans-Jürgen Paulsen. Wenn die opulent ausgestattete Förderung mittlere Wasserstände von 10 oder 20 cm unter Geländeniveau verlangt seien die betroffenen Flächen für jede sinnvolle Landwirtschaft verloren, begründet der 61jährige Bio-Milchviehhalter aus dem uckermärkischen Zollchow seine Kritik und appelliert an alle Berufskollegen, sich nicht vom schnellen Geld in eine Falle locken zu lassen: „Ähnlich wie bei Freiflächensolaranlagen werden die Böden zwar nicht vollständig vernichtet, aber sie verarmen langfristig und verlieren damit ihren Wert.“ Der Bauernbund lehne die Vernässungs-Richtlinie grundsätzlich ab und setze sich dafür ein, dass auf märkischem Sumpf und Sand auch in Zukunft noch ertragreiche Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln betrieben werden kann.
Dass alle in der Vernässungs-Richtlinie vorgesehenen Maßnahmen auf Freiwilligkeit beruhen, kann Paulsen nicht beruhigen, der selber 60 Hektar Moorgrünland bewirtschaftet: „Fast immer sind bei solchen Projekten Flächen mit unterschiedlichen Eigentümern sowie öffentliche Belange betroffen und wir wissen, was für sozialer Druck entsteht, wenn viel Geld im Spiel ist.“ Mit dem Naturflächenbedarfsgesetz arbeite die Bundesregierung zudem an einem höchst wirksamen rechtlichen Instrumentarium, um widerspenstige Eigentümer zur Raison zu bringen, indem der Renaturierung von Mooren und Auen künftig überragendes öffentliches Interesse zugeschrieben wird. Der Bauernbund rät betroffenen Landwirten und Eigentümern daher, sich bei Bekanntwerden entsprechender Planungen möglichst frühzeitig zusammenzutun und auf kommunaler Ebene den Widerstand zu organisieren, nötigenfalls auch mit Rechtsbeistand. Paulsen: „Vor allem appelliere ich an meine Berufskollegen, solidarisch zu sein und sich konsequent zu verweigern.“
Irritiert zeigt sich der Bauernbund davon, dass das Ministerium von Hanka Mittelstädt die Vernässungs-Richtlinie unkommentiert veröffentlicht und damit den Eindruck erweckt, als stünde es hinter dem Vorhaben der Bundesregierung, 90.000 Hektar aus der Produktion zu nehmen. „Da waren wir mit Axel Vogel schonmal weiter“, erinnert Paulsen an eine Übereinkunft vor drei Jahren, wo Bauernbund und grüner Minister sich zusicherten, für einen verbesserten Wasserrückhalt in den Mooren über die Vegetationsperiode möglichst hohe Wasserstände von im Regelfall 30 cm unter Geländeniveau anzustreben. „Zwischen Mittelwert 20 cm und Höchstwert 30 cm vom März bis Oktober liegen Welten – es geht um nichts weniger als die Frage, ob wir im Moor mit herkömmlichen Maschinen und Rinderrassen wirtschaften können“, so Paulsen. Die Ministerin müsse sich von der Vernässungs-Richtlinie distanzieren und alle Kräfte für den Moorschutz in einer Initiative zur Sanierung der maroden Staue bündeln: „Da hätte sie die Landwirtschaft an ihrer Seite.“