Mercosur-Freihandel, Natur-Wiederherstellung, Gentechnik-Deregulierung ... aus Europa kam zuletzt nicht viel Gutes für die Landwirtschaft (Foto: Europäisches Parlament)Der Bauernbund Brandenburg hat die letzten Mittwoch im Europaparlament beschlossene Gentechnik-Deregulierung als schweren ökonomischen Fehler bezeichnet und den Abgeordneten von CDU/CSU, FDP und Freien Wählern Verrat an der heimischen Landwirtschaft vorgeworfen. „Trotz vollmundiger Beteuerungen, genau das verhindern zu wollen, haben sie mit ihrem Abstimmungsverhalten dafür gesorgt, dass jetzt europaweit erstmals patentierte Nutzpflanzen für die Produktion zugelassen werden und sich damit große Konzerne den alleinigen Zugriff auf das für uns elementare Produktionsmittel Saatgut sichern können“, sagte Bauernbund-Vorstand Hans-Jürgen Paulsen. Deutschland habe aufgrund dieses Beschlusses keine Möglichkeiten mehr, zum Schutz der heimischen Landwirtschaft Ausnahmen zu erwirken, obwohl eine deutliche Mehrheit der deutschen Abgeordneten gegen die Gentechnik-Deregulierung gestimmt hat, kritisiert der 61jährige Milchviehhalter aus Zollchow in der Uckermark: „Wir danken ausdrücklich den Abgeordneten von SPD, AfD, Grünen, Linken und BSW, die in diesem kritischen Moment auf der Seite der Bauern gestanden haben.“
Nach der Niederlage müsse sich der Berufsstand neu sortieren, meint Paulsen. Dies betreffe zum einen betriebliche Strategien, wie der Einsatz von patentiertem Saatgut möglichst vermieden und damit ökonomischer Spielraum erhalten werden kann. Zum anderen sei auch die Berufsvertretung gefordert. So werde der Bauernbund überlegen, ob die inzwischen von allen Agrarverbänden verlangte Entschärfung des Patentrechts noch ausreiche oder ob künftig nicht grundsätzlicher argumentiert werden sollte. „Die Genetik unserer Nutzpflanzen und Nutztiere ist ein Geschenk Gottes, Erbe der Menschheit und frei – jeder, der den Zugang auch nur ansatzweise einschränkt, begeht Diebstahl“, stellt Paulsen zur Diskussion und schlägt vor, nach der gescheiterten Abwehr der Gentechnik mit einer Forderung nach Saatgutfreiheit in die Offensive zu gehen.
