Der Bauernbund Brandenburg e.V. ist die Landesgruppe der FREIEN BAUERN. Er vertritt fachkundig und unabhängig die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe im Land und hat aktuell 470 Mitglieder.

Headerbild Standpunkte: Versprechen

Vor 500 Jahren …

sind die Bauern aufgestanden gegen Leibeigenschaft, Ausbeutung und bittere Not. Heute ist unser Leib nicht mehr Eigentum der Herrschenden, aber ist unser Geist auch frei? Viel zu sehr lassen wir uns doch noch in unserem Denken und Handeln von dem leiten, was Politiker uns vorgaukeln, Bürokraten uns vorschreiben, Ökonomen uns vorrechnen, Ideologen uns vorwerfen. Wollen wir unser Leben selbstbestimmt leben und auf unser eigenes Urteilsvermögen bauen, unseren Beruf mit Herz und Verstand, Fachwissen und bäuerlicher Erfahrung ausüben und so und nicht anders unserer Verantwortung für Höfe und Familien gerecht werden? Wollen wir freie Bauern sein, niemandem zu eigen und niemandem hörig? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

Landwirtschaft …

ist die Erzeugung von Lebensmitteln durch Bodenfruchtbarkeit, Sonnenenergie und unsere Arbeit. Wir erzeugen das Wichtigste der Welt, das tägliche Brot. Und wir können es nur erzeugen in Ehrfurcht vor der Schöpfung, im vernünftigen, maßvollen Zusammenwirken mit Boden und Wetter, Pflanzen und Tieren. Wie konnte es soweit kommen, dass dieser wichtigste Beruf der Welt von Teilen der Gesellschaft vor allem als Klimabelastung, Umweltverschmutzung und Tierquälerei wahrgenommen wird? Wollen wir trotzdem mit Überzeugung Landwirtschaft betreiben, stolz auf unsere harte und schöne Arbeit, demütig gegen Naturgesetze und Naturgewalten – und maximal gleichgültig gegenüber gesellschaftlichen Irrungen und Verwirrungen? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

Bauernhöfe …

werden von Eigentümern bewirtschaftet, deshalb sind sie überall auf der Welt die überlegene Agrarstruktur. Wir lieben die Höfe, Dörfer und Landschaften, die von unseren Vorfahren geschaffen wurden und in denen wir aufgewachsen sind. Unsere Höfe sind mehr als Anlageobjekte oder Betriebsstätten. Sie sind unser Leben, unsere Zukunft. Wie ist es zu erklären, dass so viele Berufskollegen sich entmutigen lassen und funktionierende Betriebe aufgeben, dass junge Menschen gar nicht erst mit Landwirtschaft anfangen? Nur, weil sie damit zur Zeit nicht das Einkommen oder die Anerkennung erzielen können wie in anderen Berufen? Was wir von unseren Vätern und Müttern ererbt haben – wollen wir es erwerben, um es zu besitzen? Wollen wir unsere Bauernhöfe weitertragen als Treuhänder in die nächste Generation? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

Das Größte …

… was wir in einem Bauernleben erreichen können, sind nicht die Hallen, die wir gebaut, die Liter, die wir gemolken, die Hektar, die wir erworben haben. Das Größte ist, wenn wir es schaffen, der nächsten Generation die Liebe zur Natur, zur bäuerlichen Arbeit und zum selbständigen Wirtschaften mitzugeben. Und das Schlauste, was wir am Anfang eines Bauernlebens machen können, am besten noch bevor wir unsere Modellkalkulation aus der Semesterarbeit oder das Entwicklungskonzept des Betriebsberaters umsetzen, ist diejenigen zumindest anzuhören, die schon ein paar Jahre länger auf derselben Scholle immerhin zurechtgekommen sind. Wollen wir die Alten achten, ihre Ratschläge bedenken, ihre Erfahrungen ernst nehmen? Und wollen wir die Jungen ermutigen, ihnen Vertrauen schenken, Freiräume geben, eigene Wege zu gehen? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

Den Hof zu erhalten …

in schwierigen Zeiten, dafür gibt es kein Patentrezept. Landwirtschaft ist kein schnelles Geschäft, sie verlangt Augenmaß, Denken in langen Zeiträumen … Gier und Größenwahn haben keinen Platz. Sie verlangt die Fähigkeit, sich anzupassen ohne sich aufzugeben … von staatlichen Plänen und ökonomischen Prognosen sollte sich niemand bange machen lassen, aber auch nicht zu sehr auf angebliche Verbraucherwünsche oder gesellschaftliche Anforderungen bauen. Ist es nicht an der Zeit, entschieden zu proklamieren, dass es überhaupt keine Mindeststandards für zukunftsfähige Landwirtschaft gibt, lediglich unterschiedliche Möglichkeiten, die Betriebe in die Zukunft zu führen, und dass darüber bitteschön wir allein entscheiden? Wollen wir das tun und auf unseren Höfen weiter Lebensmittel produzieren, Boden und Vieh gesund, Gebäude und Technik instand halten und unser Eigentum sichern? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

In langen Zeiträumen …

denken wir auch als berufsständische Interessenvertretung. Heute verneigen wir uns vor unseren vor 500 Jahren gefallenen Berufskollegen. Vor 50 Jahren war unser Berufsstand hier ausgelöscht, von einem Staat, der in zynischer Weise ausgerechnet den Deutschen Bauernkrieg verherrlichte. Trotzdem und trotz aller Hindernisse sind in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wieder Bauernhöfe entstanden, haben sich gut entwickelt und bewirtschaften inzwischen fast die Hälfte der Flächen. Die Freiheit der Bauern war nie selbstverständlich, aber sie war immer ein Segen für das Land. Vor fünf Jahren begannen die Bauernproteste gegen Ungerechtigkeiten und Bevormundung in unserer Zeit. Wollen wir über unsere Höfe hinaus in diese Gesellschaft hinein wirken – als Teil der arbeitenden Bevölkerung, die echte Werte schafft, als Teil des ländlichen Raumes, der Kraft und Ruhe verströmt? Wollen wir unsere Berufskollegen dabei mitnehmen, auch die müde und verzagt sind, niemals den Mut verlieren und als Gemeinschaft von Gleichgesinnten selbstbewusst und solidarisch die Herausforderungen meistern, die vor uns liegen? Dann sprechen wir alle zusammen: Ja, das versprechen wir uns!

 

Gott erhalte, Gott beschütze, unsere Höfe, unser Land
Schenk uns Mut und Treu und Glauben, stärke unseren Bauernstand
Hilf uns gegen Bürokraten, Kapital und Industrie
Segne unsere Bauernarbeit, unsere Felder, unser Vieh!