
Der Bauernbund Brandenburg, Vertretung der bäuerlichen Familienbetriebe, hat den gestern bekannt gewordenen Einstieg der chinesischen Investorengruppe Fosun in die Hamburger Landwirtschafts-Holding KTG Agrar als „Alarmsignal" bezeichnet. Es sei ein Fehler gewesen, die von der EU-Kommission vorgeschlagene Obergrenze für Betriebsprämien abzulehnen, sagte Bauernbund-Präsident Karsten Jennerjahn: „Mit der falschen Parole, ein Hektar sei ein Hektar, haben Bauernverband und ostdeutsche Landesregierungen vor anderthalb Jahren die Obergrenze verhindert. Jetzt kaufen chinesische Versicherer uns brandenburgischen Bauern mit unseren Steuergeldern die Flächen weg."
Der Bauernbund Brandenburg hat der Forderung des Landesjagdverbandes widersprochen, Windräder im Forst auszuschließen. "Im Gegenteil, zusätzliche Windparks sollten bevorzugt in den großen Kiefernforsten gebaut werden", sagte Bauernbund-Präsident Karsten Jennerjahn. Zum einen seien diese meist weit genug von Ortschaften entfernt und durch die Bäume werde die optische Wirkung der Windräder gebrochen. Zum anderen sei der Boden im Kiefernforst nicht so fruchtbar wie Ackerland und im Gegensatz zur Landwirtschaft würden neue Wege zu den Anlagen die Forstwirtschaft nicht erschweren. "Auch für die Tier- und Pflanzenwelt können durch Windräder entstehende Lichtungen eine willkommene Abwechslung in der Monokultur sein", argumentiert Jennerjahn.
Der Bauernbund Brandenburg hat die von Agrarminister Jörg Vogelsänger gestern in Kraft gesetzte Biberverordnung als "Schritt in die richtige Richtung, aber vermutlich wirkungslos" bezeichnet. "Ja, es ist ein gutes Signal, dass die unsinnigerweise immer noch unter Schutz stehenden Tiere grundsätzlich wieder getötet werden dürfen", sagte Bauernbund-Vorstand Lutz Wercham, Ackerbauer aus Wilhelmsaue im Oderbruch. Dass mit den europäischen Vogelschutzgebieten fast ein Viertel der Landesfläche und gerade die von Biberschäden besonders betroffenen Regionen ausgenommen sind, mache die Verordnung jedoch zu einem "harmlosen Stück Papier". Auch sei es eine Zumutung, dass der geschädigte Landwirt erst in einem mühsamen Verfahren die Notwendigkeit der Tötung nachweisen müsse, bemängelte Wercham.
Der Deutsche Bauernbund hat die immer noch durch Großbetriebe geprägte Agrarstruktur in den neuen Bundesländern als suboptimal bezeichnet. Auf einer Gedenkveranstaltung in Kyritz anlässlich des 55. Jahrestages der Zwangskollektivierung im so genannten Sozialistischen Frühling sagte der brandenburgische Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung gegenüber dem RBB, das Ziel jeder vernünftigen Agrarpolitik müsse eine bäuerliche Landwirtschaft sein. "Wir brauchen mehr Selbständige, mehr Privatinitiative, mehr Wertschöpfung – und nicht das ewige Schönreden der Großstrukturen durch die ostdeutschen Agrarminister", betonte Jung.
Der Deutsche Bauernbund wird am 25. April 2015 um 14 Uhr einen Kranz am Denkmal für die Opfer der Zwangskollektivierung in Kyritz niederlegen. Das vom Bauernbund vor fünf Jahren errichtete Denkmal in der Graf-von-der-Schulenburg-Straße am Ortseingang aus Richtung Wittstock erinnert daran, dass in der kurzen Zeit von Mitte Januar bis zum 25. April 1960 etwa 400.000 bis dahin selbständige Bauern mit brutaler Gewalt und Psychoterror gezwungen wurden, ihr Eigentum in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften einzubringen. Zahlreiche Landwirte entzogen sich der Kollektivierung durch Selbstmord oder Flucht in den Westen.
Auf der heutigen Demonstration für den Erhalt der Kulturlandschaft Oderbruch in Letschin hat sich der Bauernbund Brandenburg erneut für eine Vertiefung der Alten Oder und die Jagd auf den Biber ausgesprochen. "Das Sonderprogramm Oderbruch reicht nicht aus, weil der entscheidende Unterlauf der Alten Oder noch fast gar nicht angefasst wurde", sagte Bauernbund-Vorstand Lutz Wercham, Landwirt aus Wilhelmsaue im Oderbruch: "Und alle bislang erreichten Verbesserungen werden wieder zunichte gemacht durch Naturschutzplanungen, Gewässerentwicklungkonzepte sowie die massenhaften Zerstörungen des Bibers." Angesichts des chaotischen Vorgehens der Ämter sei es höchste Zeit für ein Machtwort des Ministers, so Wercham: "Wir brauchen einen klaren Vorrang für geordnete Wasserverhältnisse, erst dann können wir auch wieder vernünftig über Naturschutz reden."
Der Bauernbund Brandenburg hat der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IGBCE) vorgeworfen, sich jeder konstruktiven Diskussion über die Zukunft der Lausitz zu verweigern und die Vattenfall-Beschäftigten für die Interessen der Konzernspitze zu instrumentalisieren. "Die Gabriel-Pläne sind nichts anderes als die Umsetzung der 2011 vom Bundestag fast einstimmig beschlossenen und bislang überaus erfolgreichen Energiewende", sagte Bauernbund-Vorstand Marcus Schilka. Jetzt zu verlangen, dass die bereits durch Verzicht auf Förderrechte und Wasserabgaben hoch subventionierte Braunkohle überhaupt nicht für ihre gigantischen Umweltzerstörungen zahlen soll, sei weltfremd, so der 32jährige Landwirt aus Guhrow im Spreewald: "Von ihrer Gewerkschaft aufgehetzt demonstrieren diese so genannten Lausitzer Kumpel dafür, dass andere Lausitzer von Haus und Hof vertrieben werden, dass noch mehr Dörfer, Äcker und Wälder unserer Heimat im Abgrund verschwinden – was bilden die sich eigentlich ein, wer sie sind?"
Anlässlich des Auslaufens der Milchquotenregelung zum 31. März hat der Bauernbund Brandenburg die Politik aufgefordert, die Marktposition der Milcherzeuger zu stärken. "Es muss endlich Schluss sein mit den von der Molkereiwirtschaft nach wie vor praktizierten Knebelverträgen, die den Bauern zur Milchablieferung verpflichten ohne einen festen Abnahmepreis zu garantieren", sagte Bauernbund-Vorstand Jens Gerloff. In keiner anderen Branche würde man so unanständig mit Vertragspartnern umgehen, kritisierte der 50jährige Landwirt aus Teetz in der Prignitz: "Lieferverträge ohne Preis sind sittenwidrig und gehören per Gesetz verboten."
Im Vorfeld der heute in Bad Homburg beginnenden Agrarministerkonferenz hat der Bauernbund Brandenburg an Landwirtschaftsminister Christian Schmidt appelliert, das von der Europäischen Union ermöglichte Gentechnik-Verbot auf nationaler Ebene auszusprechen statt es in die Hoheit der Bundesländer zu übertragen. "Es ist für mich ein Rätsel, warum ausgerechnet ein CSU-Minister jetzt nicht den Schneid hat, Deutschlands Bauern wirksam vor der wirtschaftlichen Monopolstellung der Gentechnik-Konzerne zu schützen", sagte Bauernbund-Vorstand Marcus Schilka, Landwirt aus Guhrow im Spreewald: "Gerade angesichts der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den USA erwarten wir vom Minister ein Bekenntnis zu einer starken und unabhängigen deutschen Landwirtschaft."