„Volles Korn statt leeres Stroh“ fordert der Bauernbund Brandenburg auf einem Banner, das Verbandsmitglieder gestern im Eingangsbereich der Brandenburg-Halle präsentierten, als inhaltlicher Impuls für den dort stattfindenden Empfang der Landesregierung. „Während im alten Logo der Grünen Woche der Schriftzug die Körner der Gerstenpflanze markierte, finden sich im kürzlich neu eingeführten Logo nur noch Grannen“, erläutert Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung die Parole. Damit beschreibe der Wechsel im grafischen Erscheinungsbild mit unbeabsichtigter Symbolkraft den tiefgreifenden Wandel der Agrarpolitik, die auf der Messe diskutiert wird, so der 60jährige Mutterkuhhalter aus Lennewitz in der Prignitz: „Hierzulande wird durch Green Deal und Naturwiederherstellung die heimische Landwirtschaft immer weiter an den Rand gedrängt, gleichzeitig öffnet man die Grenzen für billiges ukrainisches Getreide und brasilianisches Rindfleisch.“ Eine Rückkehr der Agrarpolitik zum alten Logo der Grünen Woche verlangt folgerichtig der Bauernbund auf seinem Banner: Vorfahrt für die Produktion, Auflagen und Abgaben runter, Importe stoppen, Monopole zerschlagen!

Als widerliche PR-Aktion zur Zerstörung regionaler Märkte hat der Bauernbund Brandenburg das von der Berliner Morgenpost unterstützte Projekt der sächsischen Osterland-Agrargesellschaft bezeichnet, in Berlin 4.000 Tonnen Kartoffeln zu verschenken, angeblich um das Klima zu schonen und Bedürftigen zu helfen. „Durch die gute Ernte sind Kartoffeln gerade billig, die Erzeugerpreise decken kaum die Produktionskosten“, sagte Bauernbund-Vorstand Timo Scheib. Trotzdem handle es sich bei der vorgesehenen Tonnage um einen Marktwert von mindestens 300.000 Euro, der nicht einfach aus Idealismus abgegeben werde, so der 52jährige Ackerbauer aus Biesdorf bei Wriezen: „Hier bereitet ein von überregionalen Investoren finanzierter großer Agrarkonzern gezielt den Markteinstieg in Berlin vor, und das ausgerechnet zur Grünen Woche auf Kosten der märkischen Bauern, die sich mit Speisekartoffeln in den vergangenen Jahren mühsam ein wirtschaftliches Standbein aufgebaut haben. Das sind 4.000 Tonnen Verachtung von Lebensmitteln, 4.000 Tonnen Raubtierkapitalismus.“
Rund 120 Landwirte haben am 8. Januar mit ihren Traktoren elf Autobahnzufahrten in Brandenburg blockiert, um ihren Protest gegen das geplante Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den Mercosur-Staaten zum Ausdruck zu bringen. „Es ist unfair, unsere Landwirtschaft einer Konkurrenz auszusetzen, die aufgrund schlechterer sozialer und ökologischer Standards billiger produzieren kann und ihre Überschüsse um jeden Preis in den europäischen Markt drücken möchte“, sagte Bauernbund-Brandenburg-Mitglied Mario Ortlieb, der die Veranstaltungen mit dem YouTuber Thomas Essig organisiert hat: „Und es ist unverantwortlich, die sichere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln aufs Spiel zu setzen durch Billigimporte vom anderen Ende der Welt.“ Mit seiner Aktion möchte der 49jährige Ackerbauer aus Sarnow in der Prignitz die Politik wachrütteln, die kurz vor dem Abschluss stehende Vereinbarung doch noch zu stoppen.
Überall in Europa gehen Bauern gegen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten auf die Straße. Am 8. Januar stehen wir an Verkehrsknotenpunkten in Brandenburg und erklären: NIEMALS werden wir das Freihandelsabkommen mit MERCOSUR akzeptieren.
Der Bauernbund Brandenburg hat seine Forderung nach Entflechtung marktbeherrschender Konzernstrukturen im Lebensmitteleinzelhandel bekräftigt. „Die aktuellen Tiefpreise für Milch und Butter simulieren nur Wettbewerb, tatsächlich halten Lidl, Aldi, Rewe und Edeka mit einem Umsatzanteil von zusammen 87 Prozent die Branche fest in ihrem Würgegriff, zulasten von Bauern und Verbrauchern“, sagte Bauernbund-Vizepräsident Jens Gerloff und verlangt, die von der letzten Bundesregierung vorgestellte, aber nie ernsthaft vorangetriebene Kartellrechtsreform wieder aufzunehmen. Um marktwirtschaftliche Mechanismen in Gang zu setzen, müsse das Bundeskartellamt sehr große Konzerne dazu zwingen, Unternehmensanteile zu veräußern oder zu verselbständigen, bis wieder gesunder Wettbewerb herrscht, so der 61jährige Mutterkuhhalter aus Teetz in der Prignitz: „Die Macht der Monopole ruiniert bäuerliche Existenzen und sie lähmt unsere gesamte Volkswirtschaft.“
Der Bauernbund Brandenburg hat die Wiederherstellung des handelspolitischen Vorkriegszustandes bei einem Friedensschluss im Ukraine-Konflikt gefordert. „Die Zollgrenze zur Ukraine muss jedenfalls wieder geschlossen werden, keinesfalls darf das Land in die Europäische Union“, sagte Bauernbund-Präsident Lutz Wercham. Seit drei Jahren würden Billigimporte von Weizen, Gerste, Mais und Zuckerrüben sowie weiteren Agrarprodukten aus der Ukraine die Märkte in den europäischen Nachbarländern ruinieren mit desaströsen Einkommensverlusten vor allem bei den Marktfruchtbetrieben. Zusätzlich würden die Russland-Sanktionen über massiv gestiegene Düngerpreise höhere Produktionskosten verursachen, kritisiert der 39jährige Ackerbauer aus Wilhelmsaue im Oderland: „In Brandenburg stehen wir dabei besonders unter Druck mit unserer starken Ausrichtung auf Ackerbau und den vergleichsweise schwachen Böden.“ Wenn die Preismisere anhalte, werde es immer schwerer, die heimische Landwirtschaft und Kulturlandschaft noch gegen Spekulanten, Solarparks und Wildnisprojekte zu verteidigen, befürchtet Wercham und verlangt daher einen sofortigen Einfuhrstopp für ukrainische Agrarprodukte.
Der Bauernbund Brandenburg hat die von der Landesregierung geplante Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht begrüßt, zugleich aber eine neue Wolfsverordnung angemahnt. „Die Möglichkeit der Jagd wird so lange wirkungslos bleiben wie der Wolf aufgrund Naturschutz unter ganzjährige Schonzeit fällt“, sagte Bauernbund-Vorstand Frank Michelchen. Deshalb müsse jetzt zügig die Wolfsverordnung überarbeitet werden, in der Ausnahmen geregelt sind, so der 59jährige Bio-Weidehalter aus Leibsch im Spreewald: „Wir wollen, dass das komplizierte Genehmigungsverfahren entfällt, das erst einsetzt, nachdem der Schaden entstanden ist. Der Jäger soll bereits schießen dürfen, wenn der Wolf sich unseren Viehweiden nähert. Der kommt nämlich nicht zum Kuscheln.“
Der Bauernbund Brandenburg hat die vom Nabu-Landesverband betriebene Petition für ein Virenmonitoring in Geflügelbetrieben als „widerliche Hetze ohne jede Faktenbasis“ bezeichnet. In ihrem Aufruf unterstellen die so genannten Naturschützer, die aktuell grassierende Vogelgrippe sei wahrscheinlich aus gechlossenen Geflügelställen in die freie Wildbahn gelangt und hätte dort das Massensterben der Kraniche ausgelöst, berichtet Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Indem er wieder der Landwirtschaft alle Schuld in die Schuhe schiebt bediene der Nabu zwar seine üblichen Erklärungsmuster, so der 60jährige Biolandwirt aus Lennewitz in der Prignitz: „Die Argumentation ist in diesem Fall jedoch so offensichtlich absurd, dass der Verband als seriöser Gesprächspartner eigentlich nicht mehr ernstgenommen werden kann.“
Der Bauernbund Brandenburg hat auf den Zusammenhang zwischen dem totalen Schutz des Kranichs und dem aktuellen Massensterben der Tiere hingewiesen. „Wenn eine Population sich in einer Kulturlandschaft mit schier unbegrenztem Nahrungsangebot völlig ungehindert ausbreitet, erfolgt die natürliche Regulierung irgendwann durch Seuchen“, erklärt Bauernbund-Vorstand Hans-Jürgen Paulsen. Seit Jahren sei bekannt, dass sich der früher bedrohte Großvogel massiv vermehrt, so der 60jährige Milchviehhalter aus Zollchow in der Uckermark: „Vielleicht müssen wir nach diesem Seuchenzug darüber nachdenken, wie man Kraniche wirksamer von den landwirtschaftlichen Flächen vergrämt, wo sie sich im Frühjahr von den jungen Saaten ernähren.“ Jedenfalls sei die stark angestiegene Kranichpopulation Ausgangspunkt der aktuellen Vogelgrippe, die der Geflügelhaltung im Land schweren Schaden zufüge.
Der Biberbeauftragte des Bauernbundes Brandenburg, Bernhard Kalies, hat sich dafür ausgesprochen, dass die zum Schutz der Gewässer getöteten Biber künftig verwertet werden dürfen. „Diese Tiere weiterhin komplett entsorgen zu müssen, obwohl sie sehr schmackhaftes Fleisch und einen schönen Pelz haben, halte ich für wenig nachhaltig“, argumentiert der 69jährige Landwirt aus Ortwig im Oderland und schlägt vor, zeitgleich mit dem Wolf auch den Biber ins Jagdrecht aufzunehmen: „Wenn eine früher vom Aussterben bedrohte Art durch totalen Schutz und massenhafte Vermehrung zur Landplage wird, muss wieder ein für die Kulturlandschaft verträgliches Gleichgewicht hergestellt werden.“ Alles andere schade dem wichtigen Anliegen des Artenschutzes in der Öffentlichkeit, so Kalies.